Hintergründe

Manchmal werde ich gefragt: „Sag mal, du bist doch katholisch, was ist denn das Besondere an deiner Religion?“ An dieser Stelle tut sich ein breites Antwortspektrum auf. Ich finde eine Antwort besonders nennenswert und stelle eine kurze Gegenfrage: „Wieviel ist 1+1+1?“ Antwort: „3“. „Sehen Sie“, sage ich dann, „bei uns ist das so: 1+1+1 = 1. Nicht 3. Das ist unsere Dreieinigkeit.“ Rational betrachtet ist das völliger Unsinn. Aber Glaube rechnet manchmal anders und manchmal rechnet er sich gar nicht, zumindest finanziell.

In der kurzen Pressemitteilung vom 05.11.2015 verkündete das Bistum Dresden–Meißen, dass das Winfriedhaus ab Mai 2017 aus Brandschutzgründen vorübergehend geschlossen werden soll. Das Winfriedhaus ist das Kinder- und Jugendhaus der Diözese Dresden-Meißen und feierte im Frühjahr 2015 mit einigen hundert Gästen sein 60 Jähriges Bestehen.

Gründe für die Schließung liegen u.a. in der Notwendigkeit einer brandschutzgerechten Sanierung, der Frage nach einer Nutzungsoptimierung (z.B. durch die Möglichkeit, zwei Gruppen parallel zu beherbergen oder Teile des Hauses barrierefrei zu gestalten) sowie der Frage nach einer generellen Sinnhaftigkeit eines zentralen Jugendhauses bei einer überwiegend dezentral verteilten Jugend. Diese und weitere Aspekte werden unter dem Gesichtspunkt einer finanziellen Realisierbarkeit geprüft. Im November wurde veröffentlicht, dass einer Wiederherstellung einer vollständigen Nutzbarkeit, eine Investition von 400.000 € erfordert.

Die Frage nach dem Erhalt des Winfriedhauses bewegt die Menschen in unserem Bistum und darüber hinaus. Einige erinnern sich dankbar zurück, andere sind heute als Teilnehmende bei den Kursen der Kinder- und Jugendseelsorge dabei. Sie stellen sich die Fragen: Was bedeutet mir dieses Haus? Was habe ich da erlebt? Was ist so besonders daran? Und welche Bedeutung hat es für die pastorale Kinder- und Jugendarbeit in unserem Bistum?

Ein bekannter Zisterzienser und Theologe hat einmal gesagt: „Glaube ist emotional.“ Er hat etwas mit unserem tiefsten Inneren, unserem tiefsten Sein zu tun. Trotz alle dem ist es in einer institutionellen Kirchengemeinschaft auch wichtig, die sich stetig entwickelnde Situation in unserem Bistum objektiv und rational zu betrachten.

Um diesen Fragen konkret nachzugehen und der emotionalen Verbundenheit der Menschen aus dem Bistum mit dem Winfriedhaus gerecht zu werden, hat das Ordinariat eine Arbeitsgruppe einberufen. Die Arbeitsgruppe „AG Jugendhaus“ wurde aus Verantwortlichen der Jugendpastorale, Finanzabteilung, Bau- und Tagungshaus-Experten gebildet und hat den Auftrag, eine Entscheidungsvorlage bis Ende August 2016 zu erarbeiten, welche dem neuen Bischof vorgelegt wird. Ende April 2016 wurde Heinrich Timmerevers als neuer Bischof für das Bistum Dresden Meißen verkündet, der die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Winfriedhauses trifft.

Die Arbeitsgruppe „AGJugendhaus“ geht nun in vier Untergruppen unterschiedlichen Arbeitsaufträgen nach. Ziel ist es, unserem neuen Bischof eine Entscheidungsgrundlage zu geben, nicht aber, eine Empfehlung auszusprechen.

1. Brandschutzertüchtigung/Sanierung Winfriedhaus: Ralph Kochinka, Uwe Pohl
2. Umbau einer vorhandenen Immobilie: Stephan Schubert, Angelika Fischer
3. Neubau (zentral): Martin Kochalski, Christina Händler
4. Dezentrale Häuser: Dr. Straube, Benno Kretschmer-Stöhr

Unterm Strich wird stehen: Glaube rechnet sich nicht. Dieses Haus wird wahrscheinlich weiter rote Zahlen schreiben. Vielleicht müssen wir die Rechnung deshalb einmal umstellen:

Nicht: „Weil weniger Jugendliche zu Kursen kommen und sich für kirchliche Jugendarbeit interessieren, müssen wir bei der Jugendarbeit kürzen und weniger investieren“

Sondern: „Weil weniger Jugendliche zu Kursen kommen und sich für kirchliche Jugendarbeit interessieren, müssen wir diesen Bereich ausbauen, mehr in ihn investieren.“

Kinder und Jugendliche sind die Zukunft unseres Bistums, unserer Gemeinschaft. Im Winfriedhaus können Wurzeln und Flügel geschlagen werden. Es zählt als Jugendhaus zu den qualitativ Besten in Ostdeutschland. Es ermöglicht Begeisterung und Gemeinschaft. Glaube wird hier lebendig erfahrbar. Es soll deshalb ein wichtiger Aspekt der pastoralen Arbeit in unserem Bistum bleiben.

Wir möchten die Arbeit der AG Jugendhaus unterstützen: Setzt eure Energie in die erste Untergruppe – findet heraus, wie das Haus erhalten bleiben kann.

Erste Schritte wurden dafür bereits gegangen. Für eine kreative Auseinandersetzung und Ideenfindung möglicher Sanierungs- und Umbaumaßnahmen des Winfriedhauses luden die Verantwortlichen für ein Konzept der „Brandschutzertüchtigung/ Sanierung Winfriedhaus“ zu einem Workshop am 04.05.2016 in Schmiedeberg ein. Bausachverständige, Studierende des Bauingenieurwesens sowie Jugendliche und junge Erwachsene kamen für diesen Workshop im Winfriedhaus zusammen. Erste Sanierungsvorschläge wurden erarbeitet. Wie die optimalen Sanierungsansätze am Ende realisierbar sind, bleibt abzuwarten.

Was sagt die Jugend eigentlich dazu? In einem Workshop wurden 10 Thesen erarbeitet. Betrachtet man diese eingehend, findet man auch hier einen eindeutigen Zuspruch zum Winfriedhaus.

Und so geht es weiter:

Wir möchten EUCH einladen, euch selbst umfangreich zu informieren, zu hinterfragen, eure Meinung kundzutun. Wir machen das, weil uns dieses Haus am Herzen liegt!

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Weitere Informationen gibt es hier:

http://www.kathjusa.de/winfriedhaus-wie-weiter/

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