Die gute Nachricht

Für mich war es eine der schönsten Nachrichten: Das Winfriedhaus, die Jugendbildungsstätte des Bistums Dresden–Meißen bleibt offen.

Ein knappes Jahr ist es her, da verkündete das Dresdner Ordinariat, dass das Haus geschlossen werden müsse. Völlig überraschend und anscheinend alternativlos. Was darauf passierte, war etwas sehr Mut machendes. Eine große Welle der Solidarität, hunderte Junge und Alte, die sich so schnell mit einer vermeintlich aus Sorge getroffene Entscheidung nicht abfinden wollten.
Unterschriftenlisten, Briefe, Diskussionen. Der Diözesanrat, Gemeinden, Jugendgruppen, katholische und evangelische Christen meldeten sich zu Wort. Selbst Prälat Dieter Grande, eine der prägenden pastoralen Gestalten der DDR, schrieb kurz vor seinem Tod noch einen letzten Leserbrief an die Kirchenzeitung: „Es kann nicht sein, dass der Jugend ihr Ort genommen wird.“
Jugendliche gründeten eine Website zum offenen Debattieren und starteten zum Leipziger Katholikentag eine bunte Postkartenaktion. Ob aus Hongkong, Plauen, Chemnitz, Krakow, Rom, von Berggipfeln oder von der See, selbst aus Afrika – von überall her posteten Menschen ihre Bilder. Eine AG Jugendhaus nahm ihre Arbeit auf. Und als Heinrich Timmerevers als neuer Bischof nach Dresden-Meißen kam, machte er das Beste, was er tun konnte. Er fuhr selbst ins Jugendhaus, verbrachte dort mit den Jugendlichen ein Wochenende und spürte schnell, was dieser Ort tatsächlich vielen bedeutet: eine spirituelle Heimat für Generationen von Jugendlichen und ein quicklebendiger Ort der Bistumsgeschichte. Er macht deutlich, dass Entscheidungen nicht allein vom Schreibtisch aus getroffen werden sollten. Auch die jungen „Winfriedhausfans“, die große Hoffnungen auf ihn setzen, empfängt er. Diese kommen begeistert vom Gespräch mit Bischof Heinrich zurück und haben auf einmal wieder Hoffnung für das Haus.
Als dann die AG Jugendhaus ihre Ergebnisse vorstellt, trifft der Bischof eine pastorale Entscheidung, die viele erbetet, erhofft und erwartet haben. Eine Entscheidung, die den Brandschutz nicht aus dem Blick verliert, aber dort einordnet, wo er hingehört. Als zu beachtenden Sicherheitsfaktor, aber nicht als einfach so zu akzeptierenden Schließungsgrund. In unserer Zeit macht es Mut, wenn Menschen sich in unserer Kirche für etwas einsetzen, was ihnen wichtig ist, dass Generationen miteinander ins Gespräch kommen und nicht gleich aufgeben, dass Argumente ausgetauscht werden und gemeinsam um Entscheidungen gerungen wird. Auch für die kirchlichen Strukturprozesse im Osten Deutschlands ist das eine gute Entwicklung. Diese können nur funktionieren, wenn die Betroffenen auch Stimme und Einflussmöglichkeiten haben und Diskussionen tatsächlich ergebnisoffen und transparent geführt werden.  Für eine Kirche, die von Mitbeteiligung lebt, ist die kreative Auseinandersetzung ums Winfriedhaus ein pastorales Lehrstück, von dem sie am Ende lernen und nur gewinnen kann.

Guido Erbrich, Roncalli-Haus Magdeburg

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s